Septuaginta-Studien – Die griechische Bibel des Alten Testaments
Die Septuaginta, oft mit LXX abgekürzt, ist die älteste umfangreiche griechische Übersetzung des Alten Testaments. Sie entstand mehrere Jahrhunderte vor Christus und spielte eine entscheidende Rolle für das Judentum der Diaspora und für die frühe Kirche. Septuaginta-Studien beschäftigen sich mit Entstehung, Textcharakter und theologischer Bedeutung dieser Übersetzung. Dabei wird sichtbar, wie Gott sein Wort auch durch Übersetzung in neue Sprachräume getragen hat. „Das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich“ (Jesaja 40,8).
Der Name Septuaginta geht auf eine antike Überlieferung zurück, nach der siebzig oder zweiundsiebzig jüdische Gelehrte die Tora ins Griechische übersetzten. Historisch gesichert ist, dass zunächst die fünf Bücher Mose übersetzt wurden, später folgten die übrigen Schriften. Ziel war es, Juden in der griechischsprachigen Welt den Zugang zur Heiligen Schrift zu ermöglichen. So diente die Septuaginta der Bewahrung des Glaubens in fremder Umgebung.
Die Übersetzung erfolgte aus dem Hebräischen und teilweise aus aramäischen Textformen. Sie ist nicht einheitlich, sondern zeigt unterschiedliche Übersetzungsstile. Manche Bücher sind sehr wörtlich, andere freier übertragen. Diese Vielfalt macht die Septuaginta zu einer wichtigen Quelle für das Verständnis früher hebräischer Textformen. Sie zeigt, wie bestimmte hebräische Begriffe damals verstanden wurden.
Besonders bedeutsam ist die Septuaginta für das Neue Testament. Viele alttestamentliche Zitate im Neuen Testament folgen der griechischen Fassung. Das zeigt, dass die Apostel und Evangelisten die Septuaginta kannten und verwendeten. Paulus schreibt: „Denn alles, was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben“ (Römer 15,4). Diese Schrift lag für viele Gemeinden in griechischer Sprache vor.
Auch theologisch ist die Septuaginta von großer Bedeutung. Zentrale Begriffe wie Gesetz, Gerechtigkeit, Bund und Weisheit wurden ins Griechische übertragen und prägten das Denken der frühen Christen. Der griechische Begriff „Kyrios“ für den Gottesnamen wird im Neuen Testament auf Jesus angewandt. So wird sichtbar, wie die Septuaginta Brücken zwischen Altem und Neuem Testament schlug.
Septuaginta-Studien helfen auch, Textvarianten zu verstehen. An manchen Stellen weicht die Septuaginta vom masoretischen Text ab. Diese Unterschiede können auf eine andere hebräische Vorlage oder auf interpretierende Übersetzung zurückgehen. Für die Textkritik ist die Septuaginta daher ein wertvoller Zeuge. Sie bestätigt oft die Stabilität des hebräischen Textes und zeigt zugleich frühe Auslegungsansätze.
Ein bekanntes Beispiel ist Jesaja 7,14. Die Septuaginta übersetzt das hebräische Wort mit „Jungfrau“, was im Matthäusevangelium aufgegriffen wird: „Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein“ (Matthäus 1,23). Dieses Beispiel zeigt, wie die Septuaginta messianische Erwartungen prägte und im Neuen Testament christologisch ausgelegt wurde.
Für die Kanongeschichte ist die Septuaginta ebenfalls relevant. In der griechischen Bibel finden sich auch Schriften, die nicht zum hebräischen Kanon gehören. Diese sogenannten Apokryphen wurden in der Kirche unterschiedlich bewertet. Septuaginta-Studien helfen, diese Schriften historisch einzuordnen, ohne sie mit kanonischer Schrift gleichzusetzen. Maßstab bleibt der von Jesus bestätigte hebräische Kanon.
Die frühe Kirche nutzte die Septuaginta intensiv. Kirchenväter zitierten sie, und Mission erfolgte häufig auf Grundlage des griechischen Textes. Dadurch wurde das Alte Testament für Nichtjuden verständlich. Gott gebrauchte diese Übersetzung, um sein Heil unter die Völker zu bringen. „Gehet hin in alle Welt“ (Markus 16,15) schließt auch sprachliche Zugänglichkeit ein.
Gleichzeitig erinnern Septuaginta-Studien daran, dass Übersetzungen geprüft werden müssen. Keine Übersetzung ersetzt den Urtext. Dennoch zeigt die Septuaginta, dass Gott durch Übersetzungen wirkt. Sie ist Zeugnis göttlicher Gnade, die Menschen dort abholt, wo sie stehen. „Prüfet aber alles, und das Gute behaltet“ (1. Thessalonicher 5,21).
Christus steht auch in der Septuaginta im Zentrum. Viele messianische Texte wurden in griechischer Sprache weitergegeben und fanden im Neuen Testament ihre Erfüllung. Jesus sagt: „Die Schrift zeuget von mir“ (Johannes 5,39). Septuaginta-Studien dienen dazu, dieses Zeugnis besser zu verstehen.
Zusammengefasst ist die Septuaginta ein Schlüssel zur Welt der Bibel zwischen Hebräisch und Griechisch. Sie verbindet Israel und Kirche, Verheißung und Erfüllung. Wer sie studiert, gewinnt Einblick in Gottes heilsgeschichtliches Handeln und in die Zuverlässigkeit seines Wortes. „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege“ (Psalm 119,105).
Häufig gestellte Fragen zur Septuaginta
Was ist die Septuaginta?
Die griechische Übersetzung des Alten Testaments.
Warum ist sie wichtig?
Sie prägte Judentum und frühe Kirche.
Ist sie inspiriert?
Nein, aber sehr bedeutend.
Wird sie im NT zitiert?
Ja, häufig.
Wozu dienen Septuaginta-Studien?
Zum besseren Bibelverständnis.
Weiterführende Inhalte
Hebräisch
Die Sprache des Alten Testaments.
Griechisch
Die Sprache des Neuen Testaments.
Textkritik
Bewertung der Textüberlieferung.
Kanongeschichte
Erkennung des biblischen Kanons.
